Die Schacholympiade ist das größte Mannschaftsevent der gesamten Schachwelt. Vergiss den einen Champion, der einem anderen an einem einzigen Brett gegenübersitzt – hier geht es um Nationen gegen Nationen, Hunderte Länder schicken ihre besten Spieler ins Rennen um die Ehre ihrer Flagge. Ausgerichtet wird sie von der FIDE, sie findet alle zwei Jahre statt und ist in eine Open-Sektion und eine Frauen-Sektion unterteilt. Stand Juli 2026 ist Indien amtierender Titelträger – dem Land gelang etwas, das zuvor noch kein Land geschafft hatte: Gold in beiden Sektionen bei derselben Olympiade zu gewinnen, 2024 in Budapest.
Kurz und knapp
- Ausrichter: FIDE · Format: Mannschaftsevent (Open- + Frauensektion)
- Erstmals ausgetragen: 1927 (London) · Turnus: alle 2 Jahre
- Teamgröße: 4 Spieler + 1 Ersatzspieler · Format: Schweizer System über 11 Runden, gewertet nach Mannschaftspunkten
- Amtierender Champion: Indien — Gold in Open und Frauen (gewonnen 2024) — Stand Juli 2026
- Nächste Ausgabe: die 46. Olympiade, Samarkand, Usbekistan, 15.–27. September 2026
Was ist die Schacholympiade?
Stell sie dir vor wie die Fußball-Weltmeisterschaft des Schachs, nur dass fast jedes schachspielende Land der Erde antritt. Jeder nationale Verband meldet ein Team, und diese Teams kämpfen sich über etwa zwei Wochen durch elf Runden. Fast 200 Nationen treten in jeder Sektion an – die Ausgabe 2024 in Budapest brachte einen Rekord von 197 Teams im Open und 183 bei den Frauen, insgesamt 196 vertretene Verbände.
Wichtig: Bei der Olympiade wird nicht der individuelle Weltmeister gekürt – das geschieht in einem separaten Duell unter vier Augen. Bei der Olympiade geht es um Nationalstolz: Ein Team kann einen Star in Formkrise tragen, weil ein Mitspieler in die Bresche springt, und ein winziger Verband kann weit über seiner Wertungszahl spielen. Genau das macht sie zur emotionalsten, flaggenschwenkendsten Turnierwoche des Schachs.
Wie funktioniert die Schacholympiade?
- Zwei Sektionen: ein Open-Turnier (offen für alle, in der Praxis aber überwiegend Männer) und ein separates Frauen-Turnier, ausgetragen Seite an Seite am selben Austragungsort.
- Das Team: Jedes Land stellt vier Spieler pro Runde plus einen Ersatzspieler – fünf insgesamt – und der Kapitän wählt die Aufstellung von Match zu Match.
- Die Runden: Elf Runden im Schweizer System, sodass Teams mit ähnlicher Bilanz immer wieder gegeneinander gelost werden. In jedem Match treffen die vier Bretter auf ihre Gegenüber, und das Team sammelt Punkte je nach Ergebnis.
- Die Wertung: Seit 2008 entscheidet zuerst der Mannschaftspunktestand – 2 für einen Matchsieg, 1 für ein Unentschieden, 0 für eine Niederlage – Brettpunkte und Tiebreaks regeln den Rest.
- Auch individueller Ruhm: Neben den Mannschaftsmedaillen gibt es Brettmedaillen für die Spieler mit der besten Ratingleistung an ihrem jeweiligen Brett. So kann ein einzelner Spieler zum Shootingstar werden, selbst wenn das Team nicht ganz oben aufs Podest kommt.
- Der Gaprindaschwili-Pokal geht an die Nation mit dem besten kombinierten Ergebnis aus Open- und Frauensektion – ein Preis, den sich Indien in den letzten Jahren praktisch zu eigen gemacht hat.

Eine kurze Geschichte der Olympiade
- 1927–1939: Los geht’s in London 1927, gewonnen von Ungarn. Zwischen den Weltkriegen wandert der Pokal zwischen Ungarn, Polen, den USA (in den 1930ern viermaliger Sieger) und Deutschland hin und her.
- 1952–1990: die Ära der Sowjetunion – schlichtweg totale Dominanz. Getragen von einem Fließband an Weltmeistern gewann die UdSSR 18-mal Gold im Open, verlor es in vier Jahrzehnten nur zweimal (1976 an die USA, 1978 an Ungarn).
- 1990er–2000er: Nach dem Zerfall der UdSSR übernahm Russland den Staffelstab (sechs Open-Golds in Folge), bevor sich das Feld weit öffnete – Ukraine, Armenien (drei Golds in den 2000er/2010er-Jahren), China und die USA wechselten sich an der Spitze ab.
- 2020er-Jahre: Die neuen Kräfte des Sports treten auf den Plan. Usbekistan sorgte 2022 mit Open-Gold für eine Überraschung, und Indien – seit Langem eine heranreifende Schach-Großmacht – schaffte 2024 endlich den großen Durchbruch.
Die letzte Ausgabe: 2024 (Budapest)
Die 45. Schacholympiade fand vom 10. bis 23. September 2024 in Budapest, Ungarn, statt und gehörte ganz allein Indien. Zum ersten Mal in der Geschichte des Events gewann ein Land Gold in beiden Sektionen bei derselben Olympiade.
Im Open waren Indiens junge Talente unschlagbar und beendeten das Turnier mit 21 Mannschaftspunkten vor den USA (Silber) und Usbekistan (Bronze). Das Team – Gukesh Dommaraju, Rameshbabu Praggnanandhaa, Arjun Erigaisi, Vidit Gujrathi und Pentala Harikrishna – räumte sogar bei den individuellen Brettgolds ab: Gukesh war die Nummer eins am Spitzenbrett, Arjun am dritten Brett.
Bei den Frauen holte Indien Gold mit 19 Mannschaftspunkten, vor Kasachstan (Silber) und den USA (Bronze). Das Team aus Harika Dronavalli, Vaishali Rameshbabu, Divya Deshmukh, Vantika Agrawal und Tania Sachdev vollendete, was sie 2022 zu Hause begonnen hatten (als sie qualvoll knapp scheiterten). Divya Deshmukh und Vantika Agrawal sicherten sich zusätzlich eigene Brettgolds.
Was als Nächstes kommt: 2026 (Samarkand)
Die 46. Schacholympiade reist in die uralte Seidenstraßen-Stadt Samarkand, Usbekistan, vom 15. bis 27. September 2026, mit rund 200 erwarteten Teams pro Sektion. Indien reist als doppelter Titelverteidiger an – doch Usbekistan im eigenen Land, dazu die USA, China und ein wiedererstarktes Europa werden alle nach dem Titel greifen (Stand Juli 2026).
Berühmte Momente
- Die sowjetische Maschine (1952–1990): achtzehn Open-Golds und nahezu totale Kontrolle – die dominanteste Serie, die je ein Land bei einem globalen Schachevent hingelegt hat.
- 2022 – Chennai: Die Olympiade fand zum ersten Mal in Indien statt, nach Chennai verlegt, nachdem der ursprüngliche Ausrichter abgesprungen war. Usbekistan sorgte für die Überraschung mit Open-Gold, die Ukraine holte den Frauentitel, und ein 16-jähriger Gukesh kündigte sich mit Gold am Spitzenbrett an, mit 9 aus 11 Punkten.
- 2024 – Indiens Doppelschlag: der Moment, in dem eine aufstrebende Schachnation zum zu schlagenden Team des Sports wurde, mit dem Gewinn beider Sektionen in Budapest.
Wie man sie verfolgt
Die Olympiade wird während ihrer gesamten zwei Wochen live übertragen, auf den offiziellen FIDE-Kanälen, bei Chess.com und auf YouTube, meist mit rundenweiser Kommentierung, Live-Brettern und Engine-Bewertungen. Da es sich um ein Schweizer System mit elf Runden handelt, baut sich die Spannung auf wie eine Ligatabelle – schau jeden Morgen in die Tabelle und verfolge dann am Nachmittag, wie die vier Bretter deines Landes kämpfen.
FAQ
Wer hat die Schacholympiade 2024 gewonnen? Indien – und zwar beide Sektionen, Open und Frauen, zum ersten Mal in der Geschichte des Events, in Budapest.
Wie oft findet die Schacholympiade statt? Alle zwei Jahre. Die nächste ist die 46. Ausgabe in Samarkand, Usbekistan, im September 2026.
Ist die Schacholympiade dasselbe wie die Weltmeisterschaft? Nein. Die Olympiade ist ein Mannschaftsevent zwischen Ländern; die Schachweltmeisterschaft ist ein Duell unter vier Augen, das den individuellen Weltmeister kürt.
Welches Land hat die meisten Schacholympiaden gewonnen? Die Sowjetunion, mit weitem Abstand – 18 Open-Golds und 11 Frauen-Golds. Siehe die vollständige Siegerliste.
Wie viele Spieler hat ein Schacholympiade-Team? Vier Spieler pro Runde plus ein Ersatzspieler – fünf insgesamt – pro Sektion.
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Recherchiert und geprüft vom Redaktionsteam der Chess Lab Academy · Geprüft anhand von FIDE und Wikipedia · Aktuelle Ausgabe und Details für 2026 auf dem Stand von Juli 2026 · Zuletzt geprüft am 2026-07-25 · So verifizieren wir Inhalte.