Glossar · Gelegenheit

Hypermoderne Schule

Hypermodern-Bedeutung: die Schachschule der 1920er-Jahre, die das Zentrum aus der Distanz mit Figuren statt mit Bauern kontrolliert.

Die Hypermoderne Schule ist eine Denkrichtung im Schach — geboren in den 1920er-Jahren —, die besagt, dass man das Zentrum des Brettes aus der Distanz mit Figuren kontrollieren kann, statt es physisch mit Bauern zu besetzen. Ihre Kernidee: Lass deinen Gegner ein großes Bauernzentrum aufbauen und greife es dann an, um es zu untergraben.

Es war eine Rebellion. Die klassische Lehre jener Zeit (von Wilhelm Steinitz und Siegbert Tarrasch) verlangte, Bauern auf d4 und e4 zu postieren und die Mitte zu beherrschen. Die Hypermodernen argumentierten, dass ein breites Bauernzentrum zur Zielscheibe werden kann — etwas, das man nach vorne lockt, um es dann mit gut platzierten Figuren zu zerlegen.

Die großen Ideen

  • Das Zentrum aus der Ferne kontrollieren. Ein Läufer auf g2 oder b2, der über die lange Diagonale zielt (ein Zug namens Fianchetto), kann das Zentrum beherrschen, ohne dass dort auch nur ein Bauer steht.
  • Provozieren, dann zuschlagen. Lade die gegnerischen Bauern zum Vormarsch ein und triff sie dann mit Bauernbrüchen und Figurendruck, sodass aus Stärke Schwäche wird.
  • Flexibilität statt Besetzung. Figurenaktivität und Druck zählen mehr als ein früher Anspruch mit Bauern.

Die Stars der Bewegung waren Aron Nimzowitsch (dessen Buch Mein System bis heute gelesen wird), Richard Réti, Gyula Breyer und Savielly Tartakower, der den Begriff prägte. Ihr Denken schenkte uns eine ganze Familie von Eröffnungen, in denen Schwarz Weiß das Zentrum absichtlich überlässt:

Weit entfernt von einer historischen Kuriosität sind diese Ideen fester Bestandteil des modernen Großmeisterschachs — die Königsindische und die Grünfeld-Verteidigung sind an der absoluten Spitze kampferprobt.

Verwandte Begriffe

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen hypermodernem und klassischem Schach? Klassisches Spiel besetzt das Zentrum früh mit Bauern; hypermodernes Spiel kontrolliert das Zentrum aus der Distanz mit Figuren (oft einem fianchettierten Läufer) und greift das gegnerische Bauernzentrum später an.

Wer begründete die hypermoderne Schule? Eine Gruppe von Meistern der 1920er-Jahre — Aron Nimzowitsch, Richard Réti, Gyula Breyer und Savielly Tartakower (der den Begriff prägte) — stellte sich gegen das damals herrschende klassische Dogma.

Ist hypermodernes Schach heute noch relevant? Sehr sogar. Eröffnungen wie die Königsindische, die Grünfeld-Verteidigung und Nimzowitsch-Indisch bleiben auf jeder Spielstärke Standard, bis hinauf zur Weltelite.


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